Der hochintensiv-fokussierte Ultraschall (HIFU) - Ein Leitfaden
In den letzten Jahren hat eine dramatische
Zunahme von Prostatakrebs stattgefunden. Jedes Jahr werden in
Deutschland 28.000 neue PCa-Erkrankungen diagnostiziert. Diese
Zunahme ist zum einen in der höheren Lebenserwartung, zum
anderen in der wesentlich verbesserten Frühdiagnostik des
PCa zu sehen. Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen,
Kontrolle des Prostata-Tumormarkers PSA (Prostataspezifisches
Antigen), verbesserte Diagnostik mittels PCR, PCa 3 und Elastographie
und nicht zuletzt durch radiologische Diagnosemethoden wie Kernspintomographie
und Computertomographie hat sich die Qualität der Diagnostik
erheblich verbessert. Bei 10 bis 20 % der primär diagnostizierten
Patienten liegen schon zum Zeitpunkt der Erstdiagnose Metastasen,
d. h. Absiedlungen in andere Organe, vor. Problematisch ist hierbei,
dass es den Ärzten heutzutage nicht möglich ist, genau
vorherzusagen, wie gefährlich der Tumor letztendlich für
die Patienten ist.
Genaueren Aufschluss über die Bösartigkeit des Tumors
versucht man durch die Klassifizierung der Gewebearten zu erreichen.
So hat sich mit dem GleasonScore ein brauchbares Verfahren entwickelt,
mit dem man Aussagen über die bösartige Potenz eines
Tumors machen kann. Die Klassifizierung nach Gleason geht von
null bis zehn mit ansteigender Entdifferenzierung, d.h. Bösartigkeit
des Tumors.
Diagnose des Prostata-Karzinoms
Im Allgemeinen wird die Diagnose aufgrund eines
erhöhten PSA-Wertes, eines verdächtigen Prostatatastbefundes,
eines auffälligen Ultraschallbefundes und schließlich
durch die beweisende Biopsie gestellt. Neuerdings ist die biopsiefreie
Diagnose eines Prostata-Ca mit hoher Treffsicherheit möglich:
Durch Untersuchung des Eiweißprofils im Urin (DiaPat), Identifizieren
von PSA-positiven Zellen im Blut und Spezifizierung durch diagnostische
Apherese und schließlich bildliche Darstellung durch MR-Spektroskopie
mit Bestimmung des Cholin- und Zitratspiegels.
Entscheidend ist hierbei, dass der Patient sich einer regelmäßigen
Vorsorgeuntersuchung unterzieht, da das Prostata-Karzinom im frühen
Stadium im Allgemeinen keine Beschwerden bereitet. Hat ein Prostata-Karzinom
zu massiven Beschwerden bei dem Patienten geführt, handelt
es sich meistens um ein Spätsymptom. Es ist also ein Anliegen,
das Prostata-Karzinom im möglichst frühen Stadium zu
entdecken. Die Stadiumeinteilung erfolgt je nach Ausdehnung von
T1 bis T4.
Die Diagnose ist gestellt, was nun?
Der Patient steht zumeist ratlos vor einer
großen Auswahl von Therapieoptionen, wobei in vielen Fällen
unklar ist, ob der diagnostizierte Tumor eine solche Bösartigkeit
hat, dass eine radikale Therapie angezeigt ist.
Konventionelles Therapiespektrum
MAßNAHME
RISIKO
Radikale Prostatektomie
Impotenz; fast
immer Inkontinenz bis zu 10%; allgemein belastender operativer Eingriff;
Risiken: Blutung, Infektion.
Bestrahlung
Strahlenschäden an benachbarten
Organen (Blase, Enddarm); danach Operation wegen Fibrosierung nur
mit erhöhtem Risiko möglich.
Brachytherapie
(Einpflanzen von radioaktiven Partikeln)
Unerwünschte Strahlenschäden;
invasiv, gewebeschädigend; danach Operation wegen Fibrosierung
nur mit erhöhtem Risiko möglich.
Kryotherapie / Kälteanwendung
Technisch unausgereift; Schädigung
von benachbartem Gewebe möglich.
Hyperthermie
Zu unspezifisch.
Therapie medikamentös:
Hormonablation (Zoladex, Profact o. ä.)
Intermittierende Androgenblockade ggf. in Kombination mit Bicalutamid
(Casodex)
intermitierende Androgenblockade
Tripletherapie nach Leibowitz: Hormonablation, Finasterid u.
Flutamid
Prostasol
Diese Verfahren bergen zum Teil erhebliche Risiken in sich und
verändern die Lebensqualität des Patienten nachteilig
(Impotenz, Gefahr der Inkontinenz, Persönlichkeitsveränderung
bei Hormongabe, usw.).
Ausweg: HIFU-Therapie
HIFU bedeutet: High Focused Ultrasound. Bei
diesem Verfahren wird berührungsfrei ein gebündeltes
Schallfeld in die Prostata eingebracht. Im Brennpunkt des Schallfeldes
entstehen Temperaturen von 95° bis 100 °C, die das bösartige
Tumorgewebe vernichten (Hitzekoagulation). Durch genaue computergesteuerte
Definition des Behandlungsfeldes kann das gesamte Prostatavolumen,
im Bedarfsfalle bis zur Organgrenze, behandelt werden.
Somit ist es möglich, ohne Schnitt, ohne Öffnung einer
Bauchhöhle oder Verletzung der Körperintegrität
den Prostatatumor berührungsfrei vom Enddarm her zu behandeln.
Die Lebensqualität wird folglich nur unwesentlich
eingeschränkt, zumal die Therapie nur kürzesten stationären
Aufenthalt erfordert. Außer dass für ca. zehn Tage
ein transurethraler Dauerkatheter getragen werden muss, gibt es
keine wesentlichen Einschränkungen. Bei fachgerecht durchgeführter
Therapie sind keine besonderen Nebenwirkungen zu erwarten. In
unserem Patientengut (HIFU-Anwender seit 1994, ca. 950 Patienten)
sind weder Inkontinenzen noch Verletzungen der umliegenden Organe
(z. B. Rectumfistel) beobachtet worden. In einigen Fällen
kann es durch asymmetrische Vernarbung zur Einengung bzw. zum
Verschluss des Blasenauslasses kommen, was sich im Allgemeinen
durch einen kleinen Lasereingriff beheben lässt.
Der Therapieerfolg wird durch PSA-Werte auf
unter 2,0 µg/l, Negativ-Werden der PCR und des DiaPat`s
und ggf. negative Biopsie bestätigt.
Das HIFU-Verfahren ist wiederholbar. Auch kann
danach eine radikale Prostatektomie durchgeführt werden.
Diese ist allerdings durch periprostatische Narbenbildung möglicherweise
erschwert. Eine Radiatio nach HIFU ist möglich; umgekehrt
können bestrahlte Patienten auch mit HIFU nachbehandelt werden.
Das Bild zeigt schematisch
die Brennglaswirkung des Ultraschall-Kopfes. Das durchstrahlte Gewebe
erwärmt sich kaum; erst im Brennpunkt kommt es zur Koagulation
des Krebsgewebes.
Welche Patienten sind geeignet?
+ Lokales P-Ca ohne Metastasenbildung
+ PSA unter 10 µg/l
+ Tumorstadium T1 bis T2, maximal T3
+ Prostatagröße unter 40 g (ggf. hormonelle Vorbehandlung
zur Verkleinerung)
Vorbereitung
Am Vorabend keine feste Mahlzeit sowie Darmentleerung
durch Klistier. Am Behandlungstag keine Nahrungsaufnahme, weder
flüssig noch fest.
Durchführung der HIFU-Behandlung
Je nach Prostatagröße sind
Behandlungszeiten zwischen zwei und drei Stunden erforderlich.
Schmerzfreiheit wird durch eine Kombinationsanästhesie gewährleistet.
Diese wird individuell angepasst und beinhaltet eine örtliche
Betäubung und leichte Schlafanästhesie.
Durch die starke Hitzeentwicklung während der Therapie kommt
es im Allgemeinen nach der Behandlung zu einer länger dauernden
Schwellung der Prostatadrüse, weshalb das Einlegen eines
transurethralen Dauerkatheters erforderlich ist. Unter entsprechender
medikamentöser Therapie ist die Abschwellung innerhalb von
8 bis 10 Tagen zu erwarten.
Nach der Therapie
Ein Tag nach der Therapie, ein Monat und dann
alle drei Monate erfolgen Nachuntersuchungen des Patienten. Hierbei
wird durch eine Bestimmung des PSA-Wertes, durch transrectalen
Ultraschall und gegebenenfalls durch eine Prostata-Biopsie und
mittels radiologischer Verfahren der Therapieerfolg überprüft.
An Beschwerden wird von manchen Patienten lediglich
ein Druckgefühl im Unterbauch/Darmbereich beschrieben, welches
im Allgemeinen gut auf spezifische Medikation anspricht.