Der hochintensiv-fokussierte Ultraschall (HIFU)
bei Prostata-Krebs (PCa)
Die Diagnose
Immer mehr Männer leiden unter Prostata-Krebs
(Prostata-Karzinom, Prostata-Ca). Häufig wird bei einer fachärztlichen
Untersuchung oder im Rahmen einer Behandlung einer gutartigen
Prostatavergrößerung eine Krebsgeschwulst entdeckt.
Endgültige Sicherheit über die Diagnose Krebs geben
der PSA-Wert, die weiterführende Diagnostik und gegebenenfalls
die Gewebeentnahme (Biopsie).
Neuerdings ist es auch möglich, das Tumorwachstum in der
subklinischen Phase nachzuweisen, indem man zirkulierende Tumorzellen
isoliert, zählt und molekular charakterisiert. Details hierzu
finden Sie auf der Seite => Biopsiefreie
Diagnostik. Auch kann durch Proteomanalyse im Urin (DiaPat)
ein entscheidender Hinweis auf ein Prostata-Karzinom verifiziert
werden. Durch MR-Spektroskopie können die Tumorareale sichtbar
gemacht werden.
Durch die HIFU-Therapie kann dann eine berührungsfreie Tumorversiegelung
erreicht werden, so dass eine Tumoraussaat sicher verhindert wird.
Inkontinenz oder Impotenz treten im Gegensatz zur radikalen Operation
im Regelfall nicht auf.
Das amerikanische Unternehmen Focus
Surgery aus Indianapolis (Indiana) entwickelte in Zusammenarbeit
mit dem Heidelberger Urologen Dr. Joachim-Ernst Deuster das Sonablate
500, ein Gerät, das mit intensivem und gebündeltem Ultraschall
nach dem HIFU-Prinzip (engl. "High Intensity Focused Ultrasound")
arbeitet. Gefertigt wird das Sonablate 500 bei der Misonix
Inc. im amerikanischen Farmingdale (NY).
Vor jeder Behandlung
steht die ausführliche Beratung über mögliche Risiken.
Die Behandlung
Der Patient erhält zunächst eine
leichte Schlafanästhesie kombiniert mit einer Lokalbetäubung
des Prostatabereichs. Diese Art der Anästhesie wurde eigens
von einem renommierten Anästhesisten der Klinik für
Prostata-Therapie, Heidelberg, für das HIFU-Verfahren entwickelt.
Der Patient befindet sich dabei in einer Art Tiefschlaf und hat
nicht die Folgen einer konventionellen Vollnarkose zu verkraften.
Die Behandlung selbst erfolgt in der
so genannten Steinschnittlage (Rückenlage) mit leicht aufgestellten
Beinen, so dass die Behandlungssonde durch den Enddarm an die
Prostata herangeführt werden kann. Dieser Vorgang ist meist
mühelos möglich.
Das Hifu-Prinzip
In den Enddarm wird ein Schallkopf eingeführt.
Dieser hat zwei Funktionen: Einerseits erstellt er ein Ultraschallbild
von der Prostata, andererseits erfasst und berechnet er den Bereich,
der bestrahlt werden soll. Zur Sicherheit wird meist die gesamte
Prostata behandelt. Durch die Ultraschall-Analyse kann eine Verletzung
des umliegenden Gewebes und der anderen Organe weitgehend verhindert
werden. Ein Rechner bestimmt während der Behandlung dreidimensional
den korrekten Behandlungsbereich und markiert diesen auf dem Ultraschallbild.
Nun sendet der Schallkopf Schallwellen mit einer Frequenz von
vier Megahertz (MHz) aus. Die Schallwellen werden wie bei einem
Hohlspiegel in einem etwa drei bzw. vier Zentimeter entfernten
Brennpunkt gebündelt.
Die schematische Zeichnung
macht die Funktionsweise des hochintensiven Ultraschalls deutlich:
Der Ultraschall (blaugrün) wird so vom Schallkopf abgestrahlt,
dass er sich im Brennpunkt bündelt und dort zur gewünschten
Hitzewirkung führt (roter Bereich). Das zu beschallende Areal
wird mit Ultraschallbildern und Computerhilfe exakt berechnet.
Mit einem Alternativ-Schallkopf sind
auch Eindringtiefen von 2,5 bzw. fünf Zentimetern möglich.
Dort kommt es zu einer Hitzeentwicklung von 90° bis 100°
C, während das durchstrahlte Gewebe praktisch nicht erwärmt
oder gar verletzt wird. Im Ultraschall-Brennpunkt werden das Prostata-
bzw. das Krebsgewebe zerstört; die Reste dieser so genannten
Koagulation baut der Organismus von selbst ab. Millimeter für
Millimeter wird der Ultraschall-Brennpunkt nach jedem Beschuss
durch das erkrankte Gewebe geführt, während der Arzt
den Behandlungserfolg online am Ultraschall-Bild auf dem Rechner
verfolgen kann. Mit einer neuen Software, die seit 2007 in Heidelberg
im Einsatz ist, kann der Schallkopf einen noch größeren
Prostata-Bereich erfassen, die Schussfolge der gepulsten Ultraschallwellen
verringern und insgesamt die Behandlungszeit weiter verkürzen.
Die Therapie dauert - je nach Größe der Prostata -
zwischen zwei und fünf Stunden.