Heidelberger Arbeitskreis für biopsiefreie Diagnostik gegründet:
Risiko der Prostata-Diagnostik mindern
In Heidelberg wurde vergangene Woche von namhaften Experten der
Urologie und der Diagnostik ein Arbeitskreis gegründet, der
sich zum Ziel gesetzt hat, unterschiedliche medizinische Fachbereiche
zu vernetzen, um neue Methoden zu entwickeln und Erfahrungen mit
der biopsiefreien Prostata-Diagnostik auszutauschen.
(Heidelberg, 6. Mai 2009) Der Prostatakrebs
(PCa) ist eine bösartige Tumorerkrankung, die vom Drüsengewebe
der Vorsteherdrüse (Prostata) ausgeht. In Deutschland sterben
knapp drei von 100 Männern an Prostatakrebs. Eine frühzeitige
Erkennung des Tumors mindert die Gefahr, an dem Tumor auch zu sterben.
Um endgültige Gewissheit zu erhalten, ob die Prostata von einem
Karzinom befallen ist, wird in der Regel nach entsprechenden Blutuntersuchungen
und ergänzender Ultraschall-Diagnose eine Biopsie durchgeführt.
Dabei handelt es sich um eine Gewebe-Entnahme, die zwar zum Standard
gehört, aber nicht unumstritten ist. Häufig sind drei
oder mehr Stanzbiopsien, bei denen jeweils bis zu 30 Stanzen aus
der Prostata entnommen werden, notwendig, um ein Prostata-Karzinom
zu diagnostizieren. "Dabei kann es zu bakteriellen Einschwemmungen
in die Blutbahn kommen, die auch zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung
führen kann", warnt der Urologe Dr. Joachim-Ernst Deuster
aus Heidelberg. "Wird ein Prostata-Karzinom mit der Biopsienadel
getroffen, besteht die Gefahr einer Tumor-Zellaussaat. Zudem können
so genannte Zytokine freigesetzt werden, die das Wachstum und die
Metastasierung des Prostatakarzinoms fördern können."
Der Urologe ist Leiter der privaten Klinik für Prostata-Therapie
und hat sich auf schonende Prostata-Behandlungen spezialisiert.
"Zu einer schonenden Prostata-Therapie gehört auch eine
schonende Diagnostik", meint Deuster. Er sieht in der Branche
einen enormes Informationsdefizit. Und so gründete er vergangene
Woche in Heidelberg den "Arbeitskreis biopsiefreie Diagnostik",
zu dem namhafte Experten aus den Bereichen zellulärer Diagnostik,
molekulare Pathologie und Magnet-Resonanz-Spektroskopie aus ganz
Deutschland zusammen kamen. Gemeinsam mit Experten der Labormedizin
diskutierten sie Möglichkeiten, wie man das Risiko einer Biopsie
mindern kann - beispielsweise durch ganz neue, vielversprechende
Methoden. Dazu zählen die Echtzeit-Elastographie der Prostata,
das Cholin-PET/CT (Cholin-Positronen-Emissionstomographie / Computertomographie)
- ein neuartiges, bildgebendes Kombinationsverfahren der Nuklearmedizin
- und die MR-Spektroskopie.
"Wir wollen erfahrenen und praktisch tätigen Fachärzten
ein Informationspodium bieten", nennt Dr. Joachim-Ernst Deuster
eines seiner Ziele. "Urologen und Spezialisten der Zellanalytik
sowie der bewährten bildgebenden Verfahren wie der Computer-Tomographie
wollen gemeinsam durch eine enge fachliche Vernetzung nach Möglichkeiten
suchen, die Treffsicherheit bei der Suche nach einem Prostata-Karzinom
zu erhöhen bzw. ein Karzinom mit hoher Wahrscheinlichkeit auszuschließen",
ergänzt der Urologe Dr. Thomas Dill aus Heidelberg. Vor allem
gehe es darum, die Biopsie so weit wie irgend möglich zu vermeiden,
um das Risiko für Patienten zu minimieren.
Der Arbeitskreis wird sich künftig regelmäßig treffen
und ist für Spezialisten aller Fachrichtungen offen.
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